{"id":928,"date":"2018-02-25T19:54:33","date_gmt":"2018-02-25T18:54:33","guid":{"rendered":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/?page_id=928"},"modified":"2019-03-16T14:15:41","modified_gmt":"2019-03-16T13:15:41","slug":"petersburg-20-05-1992","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-zweiter-anlauf\/petersburg-20-05-1992\/","title":{"rendered":"Petersburg, 20.05.1992: Georgienreise mit Inna"},"content":{"rendered":"<p>23.30, zur\u00fcck in Petersburg, wird es gerade dunkel. Zur\u00fcck aus Georgien, das M\u00e4rchen genug war, mich am ersten Tag dazu zu veranlassen, meine Zu\u00adkunftspl\u00e4ne radikal zu \u00e4ndern &#8211; besser: Auszu\u00adrichten.<\/p>\n<p>Auf dem Tbilissier Flughafen angekommen, empfing mich wie immer der gute, alte Reisewind &#8211; wo immer ich aus einem Flugzeug stieg, wehte er bisher heftig. Von da an soffen und fra\u00dfen wir die gesamten kommenden zehn Tage, als w\u00e4re der K\u00f6rper nicht sterblich. Alles war immer sehr lecker und zu viel. Jeden Tag schwarzen Kaviar.<a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG138.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1035\" src=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG138.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"668\" srcset=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG138.jpg 1000w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG138-300x200.jpg 300w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG138-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Atmosph\u00e4re der Stadt, getragen von s\u00fcdl\u00e4ndischer Sonne und vielf\u00e4ltiger Sch\u00f6nheit aufgetragen in Gesichtern unterschied\u00adlichster kultureller Herkunft, tat es mir zur Gen\u00fcge an, und ich entschied ohne inneren Widerspruch, da\u00df ich ab Oktober Georgisch und Ethnographie in Tbilissi studieren werde. Kaum war mein Vorhaben ausgesprochen, stellten mir die sch\u00f6ne schlanke Msia und ihr netter, fetter runzliger Mann, bei denen Inna und ich wohnten, einen wissenschaftlich verwirrten Ethnographen\/Arch\u00e4o\u00adlogen\/Urgeschichte vor, der mir eine Einladung an sein In\u00adstitut organisieren will.<a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG177.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1037\" src=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG177.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"668\" srcset=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG177.jpg 1000w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG177-300x200.jpg 300w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG177-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Au\u00dferdem f\u00fchrte er mich in gebrochenem Russisch durch Georgiens hochinteressante Urgeschichte:<\/p>\n<p>Die neolithische Se\u00dfhaftwerdung trug sich in dem Gebiet Georgiens sehr fr\u00fch zu (ca. 6000 v.C.). In der Bronzezeit hatte sich eine hochentwickelte b\u00e4uerliche Kultur entwickelt, die Kuro-Aragwinskaja Kultur, die von Georgien bis Pal\u00e4stina reich\u00adte. Diese kam offensichtlich in (unfriedlichen?: Feuer) Kontakt mit einer ebenfalls hochentwickelten Kultur. Da diese Kultur viele Zeug\u00adnisse hinterlassen hat, die zwingend darauf hinweisen, da\u00df sie zum H\u00e4userbau in der Lage gewesen sind (Kultst\u00e4tten(?), Monomen\u00adte), au\u00dferdem auch viele Merkmale eines b\u00e4uerlich\/se\u00dfhaf\u00adten Lebens aufweist, aber keine H\u00e4user hinterlassen hat, inter\u00adpre\u00adtiert Paata, da\u00df es sich um &#8220;durch\u00adreisende&#8221; Indogermanen auf ihrer V\u00f6lkerwanderung &#8216;gen Westen gehandelt hat. Diese Theorie geht anscheinend einher mit Iva\u00adnow Kamkreliuse&#8217;s Sprachtheorie in &#8220;<em>Protoindoewrope\u00ecskij jas\u00eck i indoewrope\u00ecz<\/em>&#8220;. Auf jeden Fall ver\u00e4nderte dieser Einflu\u00df die Kuro-Aragwinskaja K. so nachhal\u00adtig, da\u00df sie fortan nicht mehr als eigenst\u00e4ndig identifiziert werden kann. Im Anschlu\u00df hieran und mit der Entdeckung des Eisens als Gebrauch\u00admaterials kam es in Georgien sehr fr\u00fch zu St\u00e4dte- und Herr\u00adschaftsbildung.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt scheinen viele Wurzeln des modernen Menschen im Gebiet von Georgien zu liegen. Der \u00e4lteste Hominid, der bisher gefunden wurde, stammt aus dem Kaukasus. Ethnisch sind Georgier eine vor-indogermanische Besonderheit zusammen mit Basken und Kelten. Auch haben sie eines der \u00e4ltesten Schriftsystheme (das Alphabet kann ich schon) entwickelt, das v\u00f6llig eigenst\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p>Auch das georgische Christentum ist eines der originalsten: Im vierten Jhd. christianisierte die heilige Anno Georgien mit Hilfe eines aus Weinst\u00f6cken gebastelten Kreuzes (was wohl eher auf die abg\u00f6ttische Weinverehrung der Georgier schlie\u00dfen l\u00e4\u00dft, als auf tats\u00e4chliche historische Begebenheit).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Chronologischer Abri\u00df der Begebenheiten;<\/p>\n<p>&#8211; <em>`Kuc`tba <\/em>(Tscherepachoe Osjero) und ethnographisches Freilicht\u00admuseum mit F\u00fch\u00adrung<\/p>\n<p>&#8211; Kunstmuseum (Niko Pirosmanaschwili). Inna bemerkte rich\u00adtig, da\u00df georgische Kunst eher an Frankreich erinnert, das Leben hingegen eher an Italien.<\/p>\n<p>&#8211; Universit\u00e4t: zu viele, zum sterben sch\u00f6ne Menschen. Auf den ersten Blick ist alles ziemlich italienisch, nur sch\u00f6\u00adner und intensiver.<a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG160.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1034\" src=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG160.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"668\" srcset=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG160.jpg 1000w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG160-300x200.jpg 300w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG160-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#8211; Ethnographisches Museum mit F\u00fchrung.<\/p>\n<p>&#8211; Zerschossene Innenstadt; wobei mich Paata darauf hin\u00adwies, da\u00df die Angreifer (Rebellen) sehr viel schwerere Munition benutzten, als die etablierte Macht. Er h\u00e4lt den Krieg gegen Gamsachurdia f\u00fcr einen Krieg zwischen alter Sovjet-Mafja und neuer nationaler Mafia. Die alte Macht scheint noch viele Str\u00e4nge zu ziehen.<\/p>\n<p>&#8211; Maschinengewehrsch\u00fcsse jede Nacht (wohl aber in die Luft) und Ausgangssperre ab 23.00.<\/p>\n<p>&#8211; Knjas, Karlson, Slonik, Danton, die uns bei Wein, Weib und Gesang die Stadt zeigten. Danton und Knjas haben An\u00adlagen zum Weltb\u00fcrger.<a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG167.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1032\" src=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG167.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"668\" srcset=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG167.jpg 1000w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG167-300x200.jpg 300w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG167-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#8211; <em>Mzeta <\/em>(alte Hauptstadt) mit Kloster und in der N\u00e4he liegendes Berg<em>e`klecia<\/em> (\u00e4lteste Kirche, ca. 600) mit Namen <em>Dschwari <\/em>(Holzkreuz). Gro\u00dfartige Architektur, bes. der Kuppel.<\/p>\n<p>&#8211; F\u00fcr drei Tage die Verk\u00f6stigung auf dem Lande intensi\u00adviert. Atemberaubend sch\u00f6ne Landschaft, ob bei Regen, Sonne oder Nebel. Alles sehr m\u00e4rchenhaft.<\/p>\n<p>&#8211; Habe mich entschieden, Panfl\u00f6te zu lernen.<\/p>\n<p>&#8211; Fragt man die M\u00e4nner, sind Frauen n\u00f6tiges Beiwerk, sieht man selbst, leiten sie vielleicht mehr als bei uns.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211;&gt; <a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-zweiter-anlauf\/petersburg-21-05-1992\/\">next page<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23.30, zur\u00fcck in Petersburg, wird es gerade dunkel. Zur\u00fcck aus Georgien, das M\u00e4rchen genug war, mich am ersten Tag dazu zu veranlassen, meine Zu\u00adkunftspl\u00e4ne radikal zu \u00e4ndern &#8211; besser: Auszu\u00adrichten. 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