{"id":732,"date":"2018-02-01T11:52:39","date_gmt":"2018-02-01T10:52:39","guid":{"rendered":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/?page_id=732"},"modified":"2019-03-16T14:15:39","modified_gmt":"2019-03-16T13:15:39","slug":"petersburg-09-02-1992","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-zweiter-anlauf\/petersburg-09-02-1992\/","title":{"rendered":"Petersburg, 09.02.1992: Streeboys, Selbstzweifel &#038; Auktion"},"content":{"rendered":"<p>Abgesehen von einer pers\u00f6nlichen Sinnkrise, in der ich mich gerade befinde, geht es mir recht gut.<\/p>\n<p>Am Freitag habe ich in einer Unterf\u00fchrung musizierende Raggie-Band kennengelernt. Sie spielten gut genug, um mich eine ganze Weile in der ansonsten nicht gerade einladenden Athmosph\u00e4re ausharren zu lassen. Besonders der sehr interessant aussehende Bandleader (Drummer), hatte es mir angetan. Mit ihm traf ich mich dann auch heute und er f\u00fchrte mich in seine interessante Welt der Rhythmusgl\u00e4ubigkeit ein:<a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG150-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-755\" src=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG150-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"669\" srcset=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG150-1.jpg 1000w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG150-1-300x201.jpg 300w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG150-1-768x514.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sein Vater ist hier in Ru\u00dfland wohl der einzige Musiklehrer, der den Schwerpunkt seines Unterrichts ganz auf Rhythmusgef\u00fchl gelegt hat. Den Photos und Erz\u00e4hlungen zufolge, hat er selbst Pionierarbeit geleistet in der Entstehung des russischen Hard Rocks. In diesem Sinne wurde auch sein Sohn erzogen und besch\u00e4ftigte sich somit sein Leben lang mit Musik. Er hat schon in den verschiedensten Ensembles mitgewirkt, angefangen mit Hard Rock, Punk-Rock, Jazz und jetzt also Reggae. Die Szene in der er sich bewegt \u00e4hnelt auf den ersten Blick allen Avantgarde-K\u00fcnstlerkreisen in Gro\u00dfst\u00e4dten, die ich bisher besichtigte: Marihuana (Anascha), Interesse an \u00f6stlichen Philosophien und Religionen, Hausbesetzer, K\u00fcnstler &#8211; Lebensk\u00fcnstler. Ein paar von ihnen haben &#8211; wie \u00fcberall &#8211; eine Vision, der sie glauben und auf die sie zuarbeiten und der Rest ist, bisweilen n\u00f6tiges Beiwerk, das sich um die Kreativit\u00e4t dieser Ausgesuchten sammelt, zumeist wohl mit eitlen Ambitionen.<\/p>\n<p>Zu den Kreativen z\u00e4hlen auf jeden Fall Roma, der ruhig an einer Band arbeitet, die seinen musikalischen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgt, sein Vater (Igor), der was Energie angeht, das Pendant (Gegenst\u00fcck) zu B.M. ist. Die Verst\u00e4ndigung zwischen Vater und Sohn klappt offenbar ausgezeichnet: Sie demonstrierten mir, wie sie sich nur \u00fcber rhythmische Klopfzeichen unterhalten konnten (geh\u00f6rt mit zu einer fortgeschrittenen Unterrichtseinheit des Vaters). Bevor Igor angehende Musiker und T\u00e4nzer unterwies bzw. anfing Schlagzeug zu spielen, war er Radrennfahrer. Dort kam ihm die Idee, das Rhythmus f\u00fcr harmonisches Zusammengehen von Geist und K\u00f6rper das Zauberwort sei.<\/p>\n<p>Der Unterricht, den ich mir kurz ansah, wird mit gro\u00dfer Konzentration von den Beteiligten (zumeist Jugendlichen) durchgef\u00fchrt, beginnt mit Trocken\u00fcbungen und wird dann mit Musik untermalt. Dort sah ich einige landschafts\u00e4sthetische Gestalten wieder, die mir am Abend des Stra\u00dfenkonzertes schon aufgefallen waren.<\/p>\n<p>Nachdem mir Roma dann seine in sich geschlossene Welt in Form von Musik, Wort, Photos, Marihuana und freundlicher Anwesenheit gezeigt hatte, gingen wir noch zu einem \u00e4lteren Freund von ihm, der beim Stra\u00dfenkonzert sehr lebhaft als singender Reggae-Prophet aufgetreten war. Er unterrichtet nach eigenen Aussagen Lama-Buddhismus, lebt in einem &#8216;besetzten&#8217; <em>Remont-<\/em>Haus, arbeitet als Restaurator, hat Edelstein-Handwerk (Juwelier) gelernt und v\u00f6gelt aber glaube ich vor allem sie etwas d\u00fcmmliche, wohlbebuste Anh\u00e4ngerin, die zusammen mit ihm wohnt. Au\u00dferdem hat er aufgrund seiner religi\u00f6sen Kontakte oft mitteleurop\u00e4ische Besucher und spricht so etwas deutsch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mir scheint die Welt gerade wieder so weit und leer, da\u00df ich mir ganz verloren darin scheine, weil sich mir die Frage aufdr\u00e4ngt, wo ich stehe zwischen diesen Menschen, die mich interessieren. Ich bin der ungl\u00e4ubige Sammler von Visionisten, von Gl\u00e4ubigen. Nur mache ich noch nicht einmal daraus etwas &#8211; ich drifte weiter; und je gr\u00f6\u00dfer die Entfernungen, umso bewu\u00dfter wird die leere des Raumes, durch den ich zerrissen taumele. Nichts, nicht einmal mein eigener Unglaube, \u00fcberzeugt mich genug um zu verharren, die Rolle des rastlosen Betrachters aufzugeben und dem Kreis der Handelnden beizutreten. Ich habe eine notorische Angst davor, Schleusen zu passieren und laufe damit Gefahr, einer Illusion von ewiger Jugend zu verfallen.<\/p>\n<p>Noch erheischte ich die f\u00fcr mein zerbrechliches Selbstwertgef\u00fchl so wichtige Aufmerksamkeit und Bewunderung durch mein verzweifelt universales Interesse. Leider gibt es bei mir kein deutliches Talent, das beim Selektionsproze\u00df hilfreich beteiligt w\u00e4re &#8211; alles was ich habe ist meine gottverdammte Konversationsintelligenz und meine F\u00e4higkeit verhei\u00dfungsvoll aufzutreten. Ich habe aber \u00fcberhaupt keine Vision, keine Hoffnung, keinen Glauben&#8230; . Ich bin so leer, wie ich Begabung verhei\u00dfe. Lie\u00dfe ich es auf eine Probe ankommen, indem ich mir einmal ein festes Ziel steckte, so w\u00e4re ich in den meisten F\u00e4llen unteres Mittelma\u00df.<\/p>\n<p>Eine der Eigenheiten, die mich mitunter so rastlos macht, ist es, sich Gr\u00f6\u00dfe vorstellen zu k\u00f6nnen und Geschmack f\u00fcr sch\u00f6pferische Sch\u00f6nheit zu haben. Ging&#8217;s ab wie bei Peer Gynt, st\u00fcnde am Ende meines Weges wohl auf jeden Fall der Knopfgie\u00dfer. Just an other freak.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gestern mit B.M. auf Rockfestival gewesen. Von den vielen Gruppen war eine ganz interessant, n\u00e4mlich \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kmzEOQhpFsU\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Auktion<\/a>\u201c. Sie brachten in ihrer Darbietung \u00fcber Musik, Tanz und Schauspiel, wie wohl auch Texte die Stimmung r\u00fcber, die auch \u201e<a href=\"http:\/\/jkoehler.DiskStation.me:5000\/as\/sharing\/0zGhkvgY\/L211c2ljL2lUdW5lcy9NdXNpYy9Vbmtub3duIEFydGlzdC9Vbmtub3duIEFsYnVtL0RpZV9FcmRlLm1wMw==\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Erde<\/a>\u201c zu vermitteln sucht: Das Leben ist b\u00f6se, kalt und brutal; besonders zwischenmenschliche Beziehungen.<\/p>\n<p>Die anderen Gruppen haben alle schrecklichen L\u00e4rm gemacht. In ihrer starken Kopflastigkeit und dadurch einseitigen Ausrichtung auf den Text, ist russische (Rock und Pop) Musik sowieso meist unertr\u00e4gliche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211;&gt; <a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-zweiter-anlauf\/petersburg-10-02-1992\/\">next page<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abgesehen von einer pers\u00f6nlichen Sinnkrise, in der ich mich gerade befinde, geht es mir recht gut. Am Freitag habe ich in einer Unterf\u00fchrung musizierende Raggie-Band kennengelernt. Sie spielten gut genug, um mich eine ganze Weile in der ansonsten nicht gerade einladenden Athmosph\u00e4re ausharren zu lassen. 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