{"id":726,"date":"2018-01-31T21:23:50","date_gmt":"2018-01-31T20:23:50","guid":{"rendered":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/?page_id=726"},"modified":"2019-03-16T14:15:39","modified_gmt":"2019-03-16T13:15:39","slug":"petersburg-05-02-1992","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-zweiter-anlauf\/petersburg-05-02-1992\/","title":{"rendered":"Petersburg, 05.02.1992: Stra\u00dfenbeobachtungen; Unmut; Sashas Deutschlandpl\u00e4ne"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Wisse, da\u00df unter den Leidenden der Zyniker der \u00e4rmste ist: Er ist so allein mit sich und seiner Macht, andere zu beschmutzten.&#8221;<\/p>\n<p>Besonderheiten der (Petersburger) Gegenwartskulur:<\/p>\n<p>&#8211; Flohmarkt auf dem Ploschad Mira: Hunderte von &#8216;H\u00e4ndlern&#8217; aller Art stehen dort t\u00e4glich vor der Metro und bieten jeden nur erdenkbaren Tr\u00f6del feil. Angefangen von Dingen des Alltags wie Utensilien zur K\u00f6rperpflege, \u00fcber technisches Ger\u00e4t bis zu Divisenschwarzmarkt. All dies wird meist am K\u00f6rper getragen, St\u00e4nde sind eher die Ausnahme. Die Leute stehen also Seite an Seite in mehreren, an die hundert Meter langen Reihen (tats\u00e4chlich so, da\u00df kaum noch ein Durchkommen ist f\u00fcr Leute, die nicht mit dem z\u00e4hen Strom der potentiellen K\u00e4ufer durch diese von den Verk\u00e4ufern geschaffenen Spaliere geschleust werden wollen) und haben ihre Waren in der Hand. Einige &#8211; allen voran nat\u00fcrlich die Wechsler &#8211; tragen Schilder, auf denen ihr Interesse zu lesen steht.<\/p>\n<p>Anfangs machte mich diese Kleinsth\u00e4ndlermasse wahnsinnig &#8211; ich mu\u00df sie jedesmal passieren, wenn ich zu meinen Unterrichtsstunden gehe. Jetzt habe ich mich aber daran gew\u00f6hnt und schlendere gelegentlich auch zum Schn\u00e4ppchenkauf herum.<\/p>\n<p>[In den letzten zwei Tagen bekam ich einen kleinen Ha\u00dfanfall auf mein Gastland, weil die Organisation allt\u00e4glicher Dinge wie Briefsendungen aufgeben oder Telephonate ausf\u00fchren, mitunter \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel Zeit und Energie in Anspruch nimmt. Au\u00dferdem mu\u00df man dauernd die sich mitunter von einem Tag auf den anderen verdreifachenden Preise bedenken und entsprechend Geld mitnehmen bzw. umtauschen. So versuche ich jetzt schon seit f\u00fcnf Tagen einen wichtigen Brief abzusenden, werde ihn jetzt nach all diesen <em>freaks<\/em> mit Sascha nach Europa mitgeben, der in zwei Wochen aufbrechen will zu einem erneuten versuch des B\u00fccherkleinhandels in die Schweiz. Er hat sich erneut 100DM von mir &#8216;geliehen&#8217; und schuldet mir nun schon ca. 350DM. Er ist \u00e4hnlich wie Jeff in seiner Manier des Nehmens: Erbricht Jeff sich in Charm so Sascha in unterw\u00fcrfigen H\u00f6flichkeitsdarbietungen. Beide nehmen aber ohne tats\u00e4chliche Ber\u00fccksichtigung der sprachlich so sehr Beachteten Umst\u00e4nde des Gebenden alles, was sie kriegen k\u00f6nnen. Ich habe nichts gegen selbstbewu\u00dftes Nehmen &#8211; nur sehr viel gegen die Illusion von Stolz im exerzieren von Floskeln.<\/p>\n<p>Abgesehen davon habe ich A. gestern Abend klar gemacht, da\u00df seine Vorstellung von Arbeit in Berlin, selbst wenn er mit einer Einladung von MKF eine offiziell Erlaubnis bekommt, a) mir nicht gef\u00e4llt und b) angesichts der Wohnungsnot und dem Nichtvorhandensein von Sprachkenntnissen auf seiner Seite, sich kaum realisieren lie\u00dfe. Gefallen tut es mir vor allem nicht, weil ich den Arbeitstourismus von allen Reisegeschw\u00fcren der letzten 40 Jahren als am wenigsten befriedigend f\u00fcr Gast(arbeiter) und Gastgeber(kultur) finde. Selbstredend gemessen an meinen Vorstellungen von\u00a0 richtigem Reisen. Und Ru\u00dfland ist nicht ausgebeutete dritte Welt, die an die T\u00fcren der Ausbeuter klopft, to demand their due share, sonder selbst imperialistische Gro\u00dfmacht. Und Sascha wei\u00df, da\u00df er nur hier leben will und kann.]<\/p>\n<p>&#8211;&gt; <a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-zweiter-anlauf\/petersburg-06-02-1992\/\">next page<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wisse, da\u00df unter den Leidenden der Zyniker der \u00e4rmste ist: Er ist so allein mit sich und seiner Macht, andere zu beschmutzten.&#8221; Besonderheiten der (Petersburger) Gegenwartskulur: &#8211; Flohmarkt auf dem Ploschad Mira: Hunderte von &#8216;H\u00e4ndlern&#8217; aller Art stehen dort t\u00e4glich vor der Metro und bieten jeden nur erdenkbaren Tr\u00f6del feil. 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