{"id":6362,"date":"2019-04-08T12:58:23","date_gmt":"2019-04-08T10:58:23","guid":{"rendered":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/?page_id=6362"},"modified":"2019-06-29T12:48:11","modified_gmt":"2019-06-29T10:48:11","slug":"08-04-1919-dato-und-der-feixende-gott","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tgb-since-1993\/topical-tgb-since-2018\/08-04-1919-dato-und-der-feixende-gott\/","title":{"rendered":"08.04.2019: Dato und der feixende Gott"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe gestern mit Dato geskyped. Er erz\u00e4hlte mir er habe das Gef\u00fchl, Gott h\u00e4tte ihn nur f\u00fcr dessen pers\u00f6nliches Am\u00fcsement erschaffen. Ein bisschen zugucken, feixen, dann den Fensterladen schlie\u00dfen.  Zur Veranschaulichung erz\u00e4hlte er diese Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Valeria hatte ihn verlassen. Zun\u00e4chst hatte er Angst vor dem Alleinsein, es war das erste Mal, dass er wirklich alleine lebte. Dann merkte Dato aber, dass es auch Vorteile hat, alleine zu sein. Er konnte nun F\u00fchrungen, die ihn langweilten, absagen, ohne seiner jungen und finanziell anspruchsvollen Frau gegen\u00fcber ein schlechtes Gewissen zu haben. Au\u00dferdem konnte er sich endlich die <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/s?k=wandwaschmaschine&amp;__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2019KID7ZXR3Y&amp;sprefix=wandwaschm%2Caps%2C140&amp;ref=nb_sb_ss_i_1_10\">Waschmaschine<\/a> kaufen, die er schon lange auf Amazon im Visier hatte, aber nicht kaufen konnte, weil Valeria sie mit 3 kg maximalem F\u00fcllgewicht unterdimensioniert fand. Eine Maschine, die man an die Wand h\u00e4ngen kann weil sie mit rotierenden Gegengewichten vibrationsarm arbeitet.  Freunde von Dato meinten, dass man diese schicke Maschine auch als Masturbationsvorlage nehmen k\u00f6nne. Dato kaufte sie sich als Weihnachtsgeschenk.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Aufbau der Wandwaschmaschine verlief ohne Unf\u00e4lle, die Erstnutzung nicht. Dato hatte das immerhin 36 kg schwere Ger\u00e4t zun\u00e4chst an einer Rigipswand angebracht. Freunde rieten davon ab. Er baute um und war danach ziemlich fertig. Ausprobieren wollte er das gute St\u00fcck aber doch und lie\u00df einen Waschgang durchlaufen. Beim Ausladen verlor er eine Badehose vor seinem Bett. In dieser verfing er sich schlaftrunken am n\u00e4chsten Morgen so ungl\u00fccklich, dass er mit der rechten Kopfh\u00e4lfte auf dem gusseisernen Heizk\u00f6rper, mit der linken dann auf dem Eichenfu\u00dfboden aufschlug und 15 Minuten ohne Bewu\u00dftsein dalag. Blut im Hals weckte ihn kurz vor dem Ersticken auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Dato blieb f\u00fcnf Tage im Bett, konnte nicht aufstehen, konnte nicht einmal die Katzen f\u00fcttern. Sein Lieblingskater war klug genug selbstst\u00e4ndig eine Packung Jahre altes Fertigfutter, das er sonst nicht nur verschm\u00e4ht sondern sogar reingeschissen hatte, aufzubei\u00dfen und sich so notgedrungen selbst zu versorgen.  Dato hatte nur seine Ex-Freundin Valeria informiert, die ihrerseits einen Notarzt gerufen hatte, den der nicht versicherte Dato allerdings abwimmelte. Dato rappelte sich nach einer Woche wieder, es blieben aber Gleichgewichtsst\u00f6rungen zur\u00fcck. Nicht einmal seinen hei\u00df-geliebten Elektroroller konnte er mehr fahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach einigen Wochen sah Dato zuf\u00e4llig, wie Valeria, die noch einen Schl\u00fcssel f\u00fcr Datos Wohnung hatte, mit seinem Lieblingskater &#8211; eben der Kater, den Dato im Winter als Schal durch die Stadt tr\u00e4gt &#8211; die Wohnung verlassen wollte. Sie meinte, er k\u00f6nne sich in seinem Zustand ohnehin nicht mehr ausreichend um die Katzen k\u00fcmmern. Dato fand das nicht lustig, nahm Valeria den Kater ab, ging nach Hause und verriegelte die T\u00fcr mit einem zus\u00e4tzlichen Schloss, f\u00fcr das seine Ex keinen Schl\u00fcssel hatte. Nach einer halben Stunde h\u00f6rte er die Haust\u00fcr aufbersten. Er versteckte den Kater blitzartig im Schlafzimmer und schloss diese T\u00fcr ab. Valeria trat ein und forderte die Herausgabe des Schl\u00fcssels. Als Dato dies verweigerte trat sie auch die Schlafzimmert\u00fcr ein (Valeria war Leistungssportlerin, Kunstturnerin, und ist immer noch sehr jung, entschlossen und gewaltt\u00e4tig).  Es folgte eine Pr\u00fcgelei, der der schlacksige Dato nur m\u00e4\u00dfig gewachsen war und die erst vom Hauswart, der Dato zur Hilfe kam, abgebrochen wurde. Der Kater blieb so erst einmal bei Dato. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Krise und einige folgende St\u00fcrze setzten Dato letztlich aber doch so zu, dass er sich aufraffte und im Morgenmantel und Puschen zur Quartals\u00e4rztin um die Ecke schlappte. Er kannte sie seit der Zeit seines Umzuges in dieses Viertel; sie hatte ihm seinerzeit angeboten, ihm eine schwere chronische Krankheit zu bescheinigen damit der Staat die volle Kosten\u00fcbernahme f\u00fcr die medizinische Versorgung \u00fcbernimmt. Sie wies ihn darauf hin, dass diese Diagnose aber sp\u00e4ter bei manchen offiziellen Gesch\u00e4ften von Nachteil seien k\u00f6nnte &#8211; z.B. beim Hauskauf. Dato war das egal. So wurde ihm eine schwere chronische Depression bescheinigt (wohl nicht ganz zu unrecht) und somit Teil seiner Krankenakte. <\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00c4rztin seines Vertrauens war in Mutterschaftsurlaub. Die Vertretung kannte Dato nicht. Diese studierte die Krankenakte und fragte, was ihm denn fehle. Dato erkl\u00e4rte, dass ihm st\u00e4ndig schwindlig w\u00fcrde seitdem er eine Waschmaschine an seiner Wand aufgeh\u00e4ngt hatte und sich infolge dessen den Kopf an Heizung und Eichenboden eingeschlagen h\u00e4tte. Die \u00c4rztin verstand keinen Spa\u00df und rief zwei kr\u00e4ftige Pfleger, die Dato mit Blaulicht in die geschlossene Psychiatrie bringen lie\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Psychiatrie wurde Dato oberfl\u00e4chlich untersucht und ohne Befund wieder gehen gelassen &#8211; allerdings erst gegen Mitternacht. Dato musste feststellen, dass der Akku seines Mobiltelefones leer war, er sich etwa 40 km au\u00dferhalb von Paris befand und er in seiner Aufmachung gleich wieder von der Polizei in die geschlossene Anstalt zur\u00fcck gebracht werden w\u00fcrde. Freunde, die  er h\u00e4tte um Hilfe bitten k\u00f6nnen, hatte er seit seinem Gef\u00e4ngnisaufenthalt nicht mehr &#8211; sie sind tot, zur\u00fcck nach Georgien gegangen oder mit neu gegr\u00fcndeten Familien weggezogen. Letztlich schaffte er es aber doch noch, einen Bahnhof zu finden und nach Paris zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott machte den Fensterladen wieder zu. Er hatte f\u00fcr heute genug. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;> <a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tgb-since-1993\/topical-tgb-since-2018\/29-06-2019-iccs-kaukasusabschlussreise-im-mai\/\">next<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe gestern mit Dato geskyped. Er erz\u00e4hlte mir er habe das Gef\u00fchl, Gott h\u00e4tte ihn nur f\u00fcr dessen pers\u00f6nliches Am\u00fcsement erschaffen. Ein bisschen zugucken, feixen, dann den Fensterladen schlie\u00dfen. Zur Veranschaulichung erz\u00e4hlte er diese Geschichte. Valeria hatte ihn verlassen. 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