{"id":362,"date":"2018-01-26T19:17:57","date_gmt":"2018-01-26T18:17:57","guid":{"rendered":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/?page_id=362"},"modified":"2019-10-16T22:44:51","modified_gmt":"2019-10-16T20:44:51","slug":"petersburg-24-10-1991","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-erster-versuch\/petersburg-24-10-1991\/","title":{"rendered":"Petersburg, 24.10.1991: Jan ziert sich"},"content":{"rendered":"\n<p>Nun ja, die Chancen standen an sich verhei\u00dfungsvolle 1 zu 2. Sie hat aber trotz meiner Warnung die Nivea-Gesichtscreme f\u00fcr die Zahnpasta gehalten und damit meine Zahnb\u00fcrste und vermutlich auch ihr Gebi\u00df eingesaut. Das Zeug hat in den Borsten der B\u00fcrste eine \u00e4hnliche Konsistenz wie Samenstr\u00e4nge im Haar &#8211; auch was die Hartn\u00e4ckigkeit angeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Potenz scheint im \u00dcbrigen von der Tageszeit nicht besonders beeinflu\u00dft zu werden: Nachdem ich gestern Nacht den Kaffee sowie den Whiskey endlich soweit verarbeitet hatte, da\u00df ich mich in die Horizontale auf meiner Globetrotter-\u00dcber-Matratze begeben konnte, klingelte Mama mich nochmal um vier Uhr aus dem Tiefschlaf, um nach dem Innendurchmesser meines defekten Dusch-Panzerschlauches zu fragen. Manchmal haben Menschen, die ich an sich f\u00fcr sehr bodenst\u00e4ndig halte, besonders viel Sinn f\u00fcrs Absurde. Nachdem ich dann gerade wieder auf Matratze gegangen war und ins s\u00fc\u00dfe Reich der tats\u00e4chlichen Tr\u00e4ume eingestiegen, trat Irena gnadenlos in meinen Wahrnehmungsbereich, Frostbeulen vorgebend (obwohl sie meinen bis -80C gepr\u00fcften Schlafsack hatte &#8211; und der ist von Globetrotter, die verkaufen keinen Schrott!). Da ich mich nicht als Ganzk\u00f6rperw\u00e4rmflasche zur Verf\u00fcgung stellen wollte, reorganisierte ich ihr Bett, so da\u00df sie zudem noch Mamas Wolldecke auf sich liegen hatte&#8230; mein Joe, mu\u00df das arme Kind geschwitzt haben, es war n\u00e4mlich alles andere als kalt in meiner Wohnung (ich schlief, wie gesagt, auf dem Boden, mit einer kurzen Sowjet-Decke zugedeckt).<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch heute Morgen zog sie mich gleich beim Wecken wieder an ihre Untiefen heran. Ihre Sakristei hat sie auf jeden Fall schon l\u00e4ngst s\u00e4kularisiert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"646\" src=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Moscow93-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-517\" srcset=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Moscow93-4.jpg 1000w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Moscow93-4-300x194.jpg 300w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Moscow93-4-768x496.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der erste Schnee f\u00e4llt gerade!<\/p>\n\n\n\n<p>Mit B.M. ist jetzt wieder alles auf der Reihe. Ich denke, da\u00df wir ein sehr gutes, freundschaftliches Verh\u00e4ltni\u00df haben werden. Die Konditionen sind ausgehandelt. Es ist mir gelungen, zu sagen, was zu sagen war, und sie hat es verstanden. Auch ist es ihr gelungen, eine Reihe kleiner &#8211; aber wichtiger &#8211; Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse auszur\u00e4umen. Auch das gro\u00dfe Mi\u00dfverst\u00e4ndni\u00df ist bereinigt, d.h. ich habe keine Furcht mehr vor ihr und sie sieht mich nicht als den Mann, der ihre Weiblichkeit in die Freiheit f\u00fchren wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Einsamkeit wird von ihr respektiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sie jetzt auch frei von Furcht zu mir kommen kann, schlug sie vor, mich jeden Dienstag und Donnerstag hier zu unterrichten. Ich halte sie f\u00fcr eine begabte &#8211; vielleicht begnadete Lehrerin. Und sie versteht viel, mehr als ich am Anfang glauben konnte, von den Grenzzonen zwischen Pers\u00f6nlichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich sie nicht ganz falsch verstanden habe, wollte sie in einem schwachen Moment mit mir tats\u00e4chlich ihre Insel s\u00e4kularisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe wieder alles im Griff. Alles im Griff haben hei\u00dft bei mir, andere Menschen wohltuend als Randerscheinungen in mein Leben einklinken zu k\u00f6nnen. Das ist es wohl, was es hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen ber\u00fchren mich selten tief. Wie gesagt &#8211; mein einziger Zugang zum Mysterium ist die Angst.<\/p>\n\n\n\n<p>Abends<\/p>\n\n\n\n<p>Heute noch netten Nachmittag und Abend mit Svjetlana gehabt. Erinnerte mich irgendwie an die Tage mit Aleksander, weil wir die meiste Zeit irgendwelche frequentierbaren Etablissements suchten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe ihr unglaublich die Ohren angefressen &#8211; sie versteht hervorragend deutsch, und es war mir ein besonderer Drang mal wieder ganze S\u00e4tze aus meiner Kehle quellen zu h\u00f6ren. Mir tat&#8217;s wohl und sie gab sich interessiert&#8230; ich beurteilte nur kurz die gesamte abendl\u00e4ndische Literatur dieses Jahrhunderts im kritischen Vergleich zur Klassik. Mit Angabe und kurzem inhaltlichem Abri\u00df von Beispielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von ihr noch belustigt erfahren, da\u00df der von mir ziemlich derb eingesch\u00fcchterte Este tats\u00e4chlich mit in ihr Abteil geh\u00f6rte! er war am Vorabend sp\u00e4t noch zu ihnen gekommen&#8230; .<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"658\" src=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG0092.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-391\" srcset=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG0092.jpg 1000w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG0092-300x197.jpg 300w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG0092-768x505.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>B\u00e4ckerei in Moskau, die australisches (!?!) Brot feilbot<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Sache mit den Lebensmitteltalons kann noch lustig werden. Butter, Fleisch, Wodka und vieles Anderes gibt es auch jetzt schon nur auf Talons. Wenn ich von der Uni keine kriege, bleibt mir nur noch g\u00fcldene Fl\u00fcssignahrung. Ich bin mir noch nicht ganz meiner Meinung, ob ich mich sehr bem\u00fchen werde, Talons zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fcrchte, ich bin heute Abend eher m\u00fcde.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;> <a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-25-10-1991\/\">next page<\/a><\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-erster-versuch\/\">\u2191 One level up \u2191<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun ja, die Chancen standen an sich verhei\u00dfungsvolle 1 zu 2. 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