{"id":1394,"date":"2018-03-12T16:42:33","date_gmt":"2018-03-12T15:42:33","guid":{"rendered":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/?page_id=1394"},"modified":"2019-03-16T14:16:29","modified_gmt":"2019-03-16T13:16:29","slug":"tbilissi-25-marz-1993","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/georgien-1992-93\/tbilissi-25-marz-1993\/","title":{"rendered":"Tbilissi, 25. M\u00e4rz 1993: postsowjetische Konflikte"},"content":{"rendered":"<p>Die Sprache der Franacken ist nicht, wie allg. angenommen, die &#8220;Sprache der Liebe&#8221;, sondern &#8220;Die Sprache anstelle von Liebe&#8221;. Sie sitzen ganze N\u00e4chte hindurch zusammen im Bett und schmeicheln einander. Der Inhalt der Schmeicheleien ist dabei v\u00f6llig unerheblich; selbst die Frage nach der Uhrzeit h\u00f6rt sich zotig genug an, um anstelle von Gefummel zu wirken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Situation hier ist zu sagen, da\u00df viele der ehm. sowj. Machtstrukturen nat\u00fcrlich noch existieren und teils miteinander, teils gegeneinander wirken. Welche Form die bestehenden M\u00e4chte auf dem Gebiet der ehern. Sowjetunion annehmen wird, ist noch f\u00e4llig unklar.<\/p>\n<p>Eine der entscheidenden Fragen ist die, ob die nach westlichem Modell und mit westlicher Hilfe funktionierenden &#8220;demokratischen&#8221; Kr\u00e4fte die Kontrolle \u00fcber den alten, in erster Linie milit\u00e4rischen, Machtapparat gewinnen k\u00f6nnen. Wenn \u00fcberhaupt m\u00f6glich, wird dies ein sehr schwieriger Prozess sein, der politisches Genie in einem kaum vorstellbaren Ma\u00df erfordert.<\/p>\n<p>Nur dank der besonderen Situation Ru\u00dflands, als eine milit\u00e4rische Weltmacht, ist es noch nicht zu einem B\u00fcrgerkrieg gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00dfes in Ru\u00dfland selbst gekommen &#8211; denn das bedeutete einen \u00fcberregionalen, wenn nicht gar einen Weltkrieg. Daher wird dieser Konflikt zwischen alter Macht, noch bestehender Macht und neuer, westgest\u00fctzter und noch zu etablierender Macht auf kleiner Flamme in den nicht im Brennpunkt des Weltinteresses stehenden Satelliten auf kleiner Flamme k\u00f6cheln gelassen. Da die ehern. Rote Armee, jetzt Russische Armee aber in allen Republiken, einschlie\u00dflich der nicht zur GUS geh\u00f6renden Staaten (Georgien und die Baltischen Republiken) und mit der Ausnahme der Ukraine noch die eigentliche milit\u00e4rische Schlagkraft besitzt, w\u00e4re eine gewaltsame (formale) Vereinigung der Sowjetunion nicht unm\u00f6glich. Das unentschiedene und widerspr\u00fcchlich Verhalten der Armee in den Krisengebieten (Moldawien, Armenien\/Aserbaidschan, Georgien und Tadschikistan), zur Zeit des Putsches und in der jetzigen Krise in Moskau legt allerdings die Vermutung nahe, da\u00df alles andere als ein Interessenkonsens innerhalb der Armeef\u00fchrung besteht. Ist auch kein gro\u00dfes Wunder, weil die Armee immer noch multinational bis in die obersten R\u00e4nge und die Loyalit\u00e4t der Soldaten (zu wem denn auch?) v\u00f6llig ungewi\u00df ist.<\/p>\n<p>In den sog. ethnischen Konflikten ist die Rote Armee (der Einfachheit halber nenne ich sie mal so) bem\u00fcht, Ru\u00dflands zentralistische Position zu st\u00e4rken, indem ein Kr\u00e4ftegleichgewicht der Opponenten dieser Regionalen Konflikte gew\u00e4hrleistet wird. Ihr m\u00fc\u00dft Euch das so vorstellen: \u00fcberall wo gek\u00e4mpft wird, stehen sich Menschen in gleichen Uniformen mit gleichen Waffen und gleicher Ausr\u00fcstung gegen\u00fcber, die die gleiche Ausbildung erhalten haben und noch vor kurzem in der gleichen Armee dienten (in der S.U. herrschte Wehrpflicht). Die Waffen und Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde, von Kalaschnikows bis zu modernen Kampfpanzen, kommen ausnahmslos von der Roten Armee (alleine Aserbaidschan wird neuerdings von der T\u00fcrkei unterst\u00fctzt)! Und Angriffe im gr\u00f6\u00dferen Stil (wie die derzeitige Bombardierung Suchumis) werden von der Roten Armee selbst koordiniert und ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das sind aber offensichtlich alles Hinhaltetaktiken und keine L\u00f6sungen; da\u00df sich die Milit\u00e4rs dar\u00fcber im Klaren sind und nicht ewig warten werden, d\u00fcrfen wir annehmen.<\/p>\n<p>Nur aufgrund dieser internen Widerspr\u00fcche war es m\u00f6glich, da\u00df die Sowjetunion nach dem Putsch im letzten Jahr von einem dahergelaufenen Populisten im Handstreich aufgel\u00f6st werden konnte.<\/p>\n<p>Auch im derzeitigen Machtkampf zwischen Hasbulatow (Parlamentspr\u00e4sident aus der kaukasischen Region Tschetschenien) mit seinem Pr\u00e4sidentenanw\u00e4rter und Jelzin (der alleine auf den Westen baut), verh\u00e4lt sich die Armee bis dato wieder neutral.<\/p>\n<p>Im georgischen Konflikt war Jelzins Unterschrift auf dem Neutralit\u00e4tsabkonmen zwischen Georgien (Shewardnadse). Abchasien (Ardsimba) und Ru\u00dfland den Milit\u00e4rs f\u00fcr&#8217;n Arsch. Die Intervention des russichen Milit\u00e4rs ging danach erst richtig los. Die Machtlosigkeit der legitimen F\u00fchrung Ru\u00dflands ist mitunter schon r\u00fchrend: Nachdem die Georgier nun einen russischen Bomber abgeschossen hatten und das Ding auch nicht wie vor ein paar Monaten ein Kampfhubschrauber soweit zerst\u00f6rt war, da\u00df man mit gleichem Recht behaupten konnte, dort s\u00e4\u00dfen Frauen und Kinder (Fl\u00fcchtlinge) oder s\u00fcdafrikanische S\u00f6ldner drinnen &#8211; der Pilot also bis auf tot noch recht intakt und russisch war, behauptete der russische Verteidigungsminister im Fernsehen, da\u00df die Georgier (unter denen auch Russen leben, die auf Seiten Georgiens k\u00e4mpfen) Flugzeuge, die sie von der Roten Armee geklaut h\u00e4tten, ummalen w\u00fcrden und selbst ihre eigenen St\u00fctzpunkte und St\u00e4dte bombardieren w\u00fcrden, um das den Russen in die Schuhe zu schieben.<\/p>\n<p>Shewardnadse andererseits, k\u00f6nnte sich mit seinen ehern. Genossen wohl arrangieren &#8211; unter gro\u00dfen Zugest\u00e4ndnissen an Ru\u00dfland (z.B. Pr\u00e4sens des russischen Milit\u00e4rs, Zugang zum Schwarzen Meer, Kontrolle der K\u00fcste, Kontrolle der Milit\u00e4rfabriken&#8230; ) &#8211; nur verf\u00fcgt er in Georgien \u00fcber keinerlei Exekutivgewalt: Die Armee befehligt Tengis Kitowani, ein zwielichtiger Professor f\u00fcr Metallurgie(?), der nebenbei die Benzinmafia leitet (er ist der ehern. Liebhaber einer Freundin von mir hier), und die &#8220;Ritter&#8221;, bewaffnete Gangs, die zum Sturz von Gamsachhurdia mit beigetragen haben, organisiert und befehligt der. Bankr\u00e4uber, Strafgefangene und Pate Dschaba Jussuljani, seines Zeichens jetzt Stellvertreter Shewadnadses. Die beiden haben Shew., nachdem sie vor den Tr\u00fcmmern ihres Sieges \u00fcber Gamsachh standen, \u00fcberhaupt erst nach Georgien zur\u00fcckgeholt, um ihre Macht irgendwie zu legitimieren und im Westen hoff\u00e4hig zu machen. Und eben die beiden haben ihre Positionen bis heute nur dank des Krieges inne &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211;&gt; <a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/georgien-1992-93\/tbilissi-26-marz-1993\/\">next page<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sprache der Franacken ist nicht, wie allg. angenommen, die &#8220;Sprache der Liebe&#8221;, sondern &#8220;Die Sprache anstelle von Liebe&#8221;. Sie sitzen ganze N\u00e4chte hindurch zusammen im Bett und schmeicheln einander. 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