{"id":1020,"date":"2018-03-01T16:25:32","date_gmt":"2018-03-01T15:25:32","guid":{"rendered":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/?page_id=1020"},"modified":"2020-01-19T20:49:50","modified_gmt":"2020-01-19T19:49:50","slug":"petersburg-21-06-1992","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-zweiter-anlauf\/petersburg-21-06-1992\/","title":{"rendered":"Petersburg, 21.06.1992: Schuld und Liebe"},"content":{"rendered":"\n<p>Tanja schrieb mir, da\u00df sie den Menschen immer dankbar sei, die sie einmal liebte &#8211; weil lieben eine sch\u00f6ne Sache sei. Ich bin den Menschen dankbar, die mir immer wieder best\u00e4tigen, da\u00df diese Welt gro\u00df ist und bei eingehender Betrachtung sch\u00f6ner als auf den ersten Blick. So gestern Alina. Sie ist unter den Kindern der Perestroika, die ich hier kenne, wohl dasjenige, das den intimsten Kontakt mit dem Fallen aller Best\u00e4ndigkeit in der Sowjetunion hatte, eben diese Erfahrungen aber sehr bewu\u00dft verarbeitet und f\u00fcr sich jetzt nutzbar gemacht hat. Sie ist aus einer Komsomolzen-Familie hervorgegangen, hat mit f\u00fcnfzehn geliebt, mit sechzehn durch Nostalgie und Sehnsucht nach ihrem Idol die Macht der Frau in k\u00f6rperlicher Enthaltsamkeit kennengelernt (&#8220;um so weniger du mit einem Mann schl\u00e4fst, um so mehr liegt er dir hier zu F\u00fc\u00dfen&#8221;), fing mit siebzehn an M\u00e4nner und Drogen (das gute alte SAMAGON-Heroin) zu nehmen, das Eine wie das Andere in Treppenaufg\u00e4ngen, Kakalakenparadiesen, die f\u00fcr f\u00fcnf Rubel an bed\u00fcrftige von Kupplerinnen vermietet wurden. Angetrieben von der Macht \u00fcber den K\u00f6rper des Mannes bumste sie sich so durch 200 M\u00e4nner, und h\u00f6rte danach auf, Buch zu f\u00fchren, drei Vergewaltigungen, diverse Frisuren, Polizeiwachen usw .. Ri\u00df sich dann, mit etwas Beistand von Andruscha (der das alles als Kind der Breschnew-\u00c4ra als Pionier schon hinter sich hatte) zusammen, und versucht sich jetzt eine materielle Basis f\u00fcr ein w\u00fcrdevolles Leben zu schaffen. Durchschaut M\u00e4nner verst\u00e4ndlicher Weise erstaunlich gut. Wei\u00df von Andruschas Schw\u00e4chen (NACHALCTWO) mehr als er ahnt. Ist wesentlich erdiger als Andruscha. Und f\u00fcrchtet weder Tod noch Teufel.<\/p>\n\n\n\n<p>Alina meinte, da\u00df Lisa eine K\u00f6nigin sein k\u00f6nnte, wenn ihr blo\u00df mal eine starke M\u00e4nnerhand einen anderen Weg zeigte. Ich denke, da\u00df sie diesen anderen Weg selbst besser kennt, als jeder Mann. Nur ist es ihr nicht m\u00f6glich ihn entlangzugehen, in dieser Welt, die M\u00e4nner geschaffen haben im Angesicht ihrer Furcht vor der Bestie. N\u00fctzlich ist die starke M\u00e4nnerhand nur, um vor den Gefahren zu sch\u00fctzen, die sie selbst geschaffen hat. Wieder PUSTINIE TATARA: M\u00e4nner erschaffen im Angesicht eines eingebildeten Feindes eine Welt, in der sie selbst untergehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Schuld ist &#8211; gibt es einen erschaffen habenden Gott &#8211; unerme\u00dflich.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;&gt; <a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-zweiter-anlauf\/petersburg-22-06-1992\/\">next page<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tanja schrieb mir, da\u00df sie den Menschen immer dankbar sei, die sie einmal liebte &#8211; weil lieben eine sch\u00f6ne Sache sei. 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