{"id":1004,"date":"2018-03-01T14:40:27","date_gmt":"2018-03-01T13:40:27","guid":{"rendered":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/?page_id=1004"},"modified":"2019-03-16T14:15:42","modified_gmt":"2019-03-16T13:15:42","slug":"petersburg-18-06-1992","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-zweiter-anlauf\/petersburg-18-06-1992\/","title":{"rendered":"Petersburg, 18.06.1992: Casting"},"content":{"rendered":"<p>Nach einem bemerkenswert CAMARASRUSCHAIJUSCHTSCHICJA DJEN, im Verlaufe dessen ein T\u00fcrschlo\u00df, das Bett, der Computer, die Uhr und die Sonnenbrille in sich zusammenfielen, gestern und heute etwas kreativer \u00fcberstanden: Gestern dem schwulen Igor Shakespeare ins Deutsche \u00fcbersetzt und dann auf Band gesprochen, damit die fette Schauspielerin die richtige Intonation hinbekommt; abends dann mit Inna &#8216;raus nach PETRODWORETZ gefahren und Freunde von ihr da besucht. Er ist Filmregisseur (untere Qualit\u00e4tsklasse, f\u00fcrchte ich), sie seine Frau und, wie Inna, Diplomgeographin. Da er gerade einen Sch\u00f6nling f\u00fcr irgendein bl\u00f6des Melodrama sucht, versucht er mich jetzt zu casten. Daher bef\u00f6rderten wir uns nach einer ausgedehnten Nachtwanderung und heftigem Beischlaf mit der vom Alkohol geh\u00f6rig verkommenen Inna mit dem Meteor auf das Studiogel\u00e4nde des LEN-FILM&#8217; s. Sieht so aus, als machten die ernst.<a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Abry_1993_StPetersburgbesuch-185.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1009\" src=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Abry_1993_StPetersburgbesuch-185.jpg\" alt=\"\" width=\"649\" height=\"1000\" srcset=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Abry_1993_StPetersburgbesuch-185.jpg 649w, http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Abry_1993_StPetersburgbesuch-185-195x300.jpg 195w\" sizes=\"auto, (max-width: 649px) 100vw, 649px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach Phototest und Freundlichkeiten wartete ich dann am PLOSCHAD MIRA vergebens auf mein DIRA, um Fisch f\u00fcr die wei\u00dfe Nacht \u00fcber den D\u00e4chern Petersburgs zu erstehen, kaufte folglich Kaviar, verwechselte zum tausendsten Mal POL DWENADZATOWA mit POL WTAROWA und ver\u00e4rgerte die arme Tatjana ernstlich. Au\u00dferdem schwitzte ich mich den hei\u00dfen Sommertag \u00fcber in Lederhosen, Shit-Kickern,<\/p>\n<p>Offiziersrshinel und -m\u00fctze durch die verfluchte Stadt (hatte ich f\u00fcr gestrige Nacht angezogen, in dem Glauben, noch einmal nach Hause zur\u00fcckzukehren), um das abendliche Treffen materiell zu organisieren.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem macht mir die aserbaidschanische Hexe G\u00fclija, die meine Freunde hochm\u00fctig verachtet, jetzt stetig Avancen.<\/p>\n<p>Der Regisseur schmei\u00dft ohne Unterla\u00df mit Paraphrasen von seinen deutschen Lieblingsphilosophen &#8216;rum. H\u00e4lt sich f\u00fcr \u00fcberm\u00e4\u00dfig gebildet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jetzt sind die K\u00f6nige der unbeholfenen Selbstdarstellung: Ein verheirateter, erzschwuler Photograph, der Abri Photographie unterrichten will und sich sonst in meiner Anwesenheit kaum einkriegt und Andrej, der mir die ganze Zeit sehr seri\u00f6s meine Karriere erz\u00e4hlt. War &#8216;nen Fehler, die Deppen mit auf&#8217;s Dach einzuladen. Das Sujet des Filmes ist allerdings von daher ganz interessant, als da\u00df es von einem Dagestaner geschrieben wurde, der in dem Melodrama versucht seine nationalen Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren: Ein (tadschikischer) Naturbursch verliebt sich, als er in seinem von Leninistischer Elektrifizierung erfa\u00dften Heimatdorf eine Sch\u00f6nheitsparade im Fernsehen sieht, in eine Leningrader Sch\u00f6nheit, die mit einem russischen Sch\u00f6nling mit schwacher Seele befreundet ist, \u00fcberzeugt mit echter Leidenschaft und \u00f6stlicher Seelentiefe alle Beteiligten von seinen Erbrechten, und nimmt die Sch\u00f6ne mit in seine Berge. Der Sch\u00f6ne (ich) sieht&#8217; s zum guten Ende dann auch ein, und bekennt seine innere Leere.<\/p>\n<p>Schlimm ist es blo\u00df, da\u00df \u00fcber Stimulation meiner Eitelkeit mein Selbstdarstellungstrieb leicht ausgel\u00f6st werden kann &#8211; und der mich aufs \u00e4u\u00dferste bel\u00e4stigt. Gut, da\u00df ich Andruscha heute sehe.<\/p>\n<p>Angesichts der Leidenschaft, die sich auf Innas Seite f\u00fcr mich entwickelt hat, h\u00e4lt Fees Kommen noch einiges Erstaunliches in Reserve. Meine Freude auf Alexandra ist trotz allem ungetr\u00fcbt.<\/p>\n<p>Tatjana h\u00e4lt Selbstironie f\u00fcr die entscheidendste F\u00e4higkeit des Menschen, um differenziert auf seine Umgebung reagieren zu k\u00f6nnen. Damit liegt sie wohl richtig. Nur ist es wieder schwierig, zwischen Selbstironie und Leidenschaftslosigkeit zu unterscheiden. Vielleicht setzten wir Leidenschaften aber zu einfach gleich, mit &#8220;echten&#8221; Gef\u00fchlen &#8211; und von daher mit Seelentiefe.<\/p>\n<p>Nein, nicht vielleicht, sondern ganz sicher. Und eben deshalb ist der (Tadschike) ein armes Schwein, das \u00fcber sein fallendes Patriarchat nicht hinweg kommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211;&gt; <a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-zweiter-anlauf\/petersburg-19-06-1992\/\">next page<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem bemerkenswert CAMARASRUSCHAIJUSCHTSCHICJA DJEN, im Verlaufe dessen ein T\u00fcrschlo\u00df, das Bett, der Computer, die Uhr und die Sonnenbrille in sich zusammenfielen, gestern und heute etwas kreativer \u00fcberstanden: Gestern dem schwulen Igor Shakespeare ins Deutsche \u00fcbersetzt und dann auf Band gesprochen, damit die fette Schauspielerin die richtige Intonation hinbekommt; abends dann mit Inna &#8216;raus nach &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/diaries\/tagebuch-leningrad-st-petersburg-tbilisi-1991-1993\/leningrad-zweiter-anlauf\/petersburg-18-06-1992\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8220;Petersburg, 18.06.1992: Casting&#8221;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1007,"parent":587,"menu_order":61,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1004","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1004","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1004"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1004\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1870,"href":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1004\/revisions\/1870"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/587"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1007"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/jkoehler.diskstation.me\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1004"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}